Patricia Toucas-Truyen: Die Rolle der Gegenseitigen Unterstützungsgesellschaften und der Arbeiterbewegung bei der Schaffung des Wohlfahrtssystems in Frankreich vor 1914

Fast alle Franzosen wissen, dass die Sozialversicherung im Jahr 1945 vom Nationalen Widerstandsrat gegründet wurde. Sie vergessen dabei jedoch meist, dass dieses System keine Gründung aus dem Nichts war, sondern auf eine Vielfalt an sozialen Schutzmaßnahmen zurückging, die Schritt für Schritt im Laufe eines Jahrhunderts geschaffen worden waren. Ganz unterschiedliche Kräfte hatten sich daran beteiligt, wobei sie jeweils eigene, manchmal auch direkt gegensätzliche Interessen verfolgten. Wie überall in Westeuropa war es zunächst die Kirche, die in der vorindustriellen Gesellschaft Hilfe bot. Mit dem Aufkommen der Industriegesellschaft trugen Arbeitgeber, Gegenseitige Unterstützungsgesellschaften (mutual aid societies) und Versicherungen die Risiken der Arbeit bzw. der zeitweiligen Arbeitsunfähigkeit gemeinsam. Chronologisch betrachtet, waren die Gewerkschaften die letzten, die in dieser allmählichen Entwicklung eine wichtige Rolle spielten. Letztlich war die soziale Absicherung während ihrer größten Ausdehnung vor vierzig Jahren eher das Ergebnis zahlreicher Kompromisse und weniger das eines eindeutigen politischen Willens.

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